Monatsrezept
... Gaybodensee Monatsrezept

Gaybodensee Monatsrezept - Kochen mit Wally Geier

In dieser Rubrik bietet Gaybodensee auch nach Betriebsende des Konstanzer Restaurant Schmitt's das Rezept des Monats an. Die Rubrik titelt ab April 2012 unter Kochen mit Wally Geier.

Kochkunst ist populär und daher bieten wir das jeweilige Gericht auch für die heimische Küche hier kostenfrei als PDF-Download an (zur Anzeige wird lediglich der kostenfreie Adobe Acrobat Reader benötigt):

  PDF-Download des Monatsrezepts

Zudem finden sich zahlreiche interessante Rezeptideen in unserem Rezeptarchiv.

Gaybodensee wünscht guten Appetit!




Inkonsequent, meine Lieben...

inkonsequent sei ich! Und warum? Weil in meiner Küche jetzt ein nettes kleines Maschinchen Espresso aus bunten Kapseln macht. Zumindest behauptete dies eine liebe Freundin von mir, als sie sah, dass der Platz meines bisherigen Espressomonsters samt Mühle nun von einem schicken kleinen Plastikdings eingenommen wurde. Da würde ich immer so ein Feinschmeckergetue vor mir hertragen und dann so etwas! Schlechter Kaffee statt gutem! Naja, entgegnete ich, manchmal muss man eben vernünftig sein: Für das tägliche Tässchen einer alternden Transe lohnt sich der Kaffeemahlzirkus nicht. Die Bohnen werden viel zu schnell alt und in 80% der Fälle schmeckt der Kaffee eben nicht mehr besser wie der vom Herrn Clooney. „Jeder Italiener“, schleuderte es mir da entgegen, „Jeder Italiener würde sich mit Grausen abwenden!“
Nun bin ich ohnehin der Ansicht, dass ein schicker Südländer sich in meiner Behausung gefälligst mir und nicht meinem Espresso zuwenden sollte - und überhaupt: Muss man denn immer alles Original und in Stein gemeißelt machen? Machen wir beim Essen doch auch nicht! Dein Italiener, meine Beste, wendet sich auch mit Grausen ab wenn er sieht, dass Du mühsam gekochtes Ragù alla Bolognese über Spaghetti kippst!
Zugegebenermaßen hinkt der Vergleich, da es ja nicht um missverstandene kulinarische Traditionen geht, aber auf eine Idee wurde ich dadurch trotzdem gebracht: Nicht nur wir Deutschen werfen den Spaghetti etwas über, das traditionell dort nichts zu suchen hat, sondern auch die Amerikaner. Die halten nämlich Fleischbällchen in Tomatensoße für den Inbegriff der Italianità! Spaghetti with meatballs sind dort dermaßen populär, dass sie in Filmen auftreten -denkt nur an Susi und Strolch- und in ungezählten Variationen ständig neu erfunden werden: Ihr müsst mal nach Meatballs googeln: Unglaublich was amerikanische Foodblogger aus dem Gericht machen: Meatball-Pizza, Spaghetti-Meatball-Muffins, Meatball-Hot-Dogs... Probieren wir es also auch einmal.
Doch wie soll man ein Original nachkochen, wenn es eigentlich selbst schon keines ist? Rezepte finden sich zuhauf, das erste aus den 1920er Jahren, herausgegeben von der National Macaroni Manufacturers Association (was es nicht alles gibt). Ich halte es da wie immer: Ein Dutzend Rezepte lesen und erstmal nach Schnittmengen suchen. So entstand die untenstehende Anleitung: Ein Fleischteig ohne Zwiebeln, aber mit Bacon, Schmand als Ersatz für die hier nicht erhältliche Sour Cream, Semmelbrösel statt den oft verwendeten Cracker-Krümeln einer in Europa nicht bekannten Marke und in der Soße Knollen- statt Stangensellerie. Finde ich kräftiger und leckerer. Eine wichtige Frage bleibt ungeklärt: Viele Rezepte geben in die Soße Sahne, viele nicht. Ich selbstverständlich schon. Fett ist Geschmacksträger!

Diesen Monat also - als Vorspiel für den leckeren, nicht originalen Espresso danach:

Meatballs

Wallys Spaghetti mit Meatballs

Zutaten:

  • Für die Soße:
  • 1 Zwiebel
  • 1 Möhre
  • 1 Scheibe Knollensellerie
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 Glas Weisswein
  • 1 Dose Tomaten, geschält
  • 100 ml Sahne
  • 1 EL Speiseöl, neutral
  • 1 TL Zucker
  • Salz
  • Pfeffer
  • Für die Meatballs:
  • 500 g Hackfleisch, gemischt
  • 50 g Panko (oder Semmelbrösel)
  • 100 ml Milch
  • 50 g Bacon
  • 50 g Parmesan, gerieben
  • 2 EL Schmand
  • 1 EL Petersilie, gehackt
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskatnuss
(EL = Esslöffel * TL = Teelöffel)

Meatballs Zubereitung

Zubereitung:



Für die Soße Zwiebeln, Karotte, Sellerie und Knoblauch sehr fein würfeln. In einer großen, hohen Pfanne oder einem weiten Topf Öl erhitzen und das Gemüse darin andünsten. Den Zucker darüber streuen und karamellisieren lassen. Tomatenmark zugeben und kurz anschwitzen (nicht zu lange, sonst wird es bitter). Mit dem Wein ablöschen, kochen lassen, bis er fast vollständig verdampft ist und anschließend die Tomaten zugeben. Kräftig Pfeffern. Aufkochen lassen, die Temperatur reduzieren und mit geschlossenem Deckel eine knappe Stunde leicht köcheln lassen.
Unterdessen die Meatballs zubereiten: Panko in eine Schüssel geben, mit Milch übergießen und einige Minuten quellen lassen. Den Bacon sehr fein hacken, zusammen mit den übrigen Zutaten -außer den Gewürzen- ebenfalls in die Schüssel geben. Alles sehr gründlich verkneten, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken und mit feuchten Händen tischtennisballgroße Bällchen formen.
Die Sahne in die Soße rühren, die Fleischklösschen auflegen und bei kleiner Hitze 5 Minuten ziehen lassen. Klösschen umdrehen, weitere 5 Minuten garen. Sofort servieren, die Klösschen werden nach einiger Zeit in der Soße gerne trocken.
Klassisch amerikanisch gehören dazu Spaghetti, wer mag kann noch Parmesan darüber streuen – ich lasse ihn lieber weg, mir genügt der Parmesangeschmack, der bereits in den Meatballs steckt.

Grüße und 'n Guten!

Die Wally

www.gaybodensee.de Listen to original Webradio - externer Link -
GayFM.de - Das hört Man(n)!