Kolumne
... Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



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*** K O L U M N E  Februar 2017 ***



Du bist wie Champagner...



Olga Popova

da stehe ich doch kürzlich auf einem Parkplatz eines Supermarktes, habe soeben etwas prickelnden Schaumwein für den Fastnachtsbesuch meiner lieben Mitschwestern besorgt und erblicke ein Plakat an einem benachbarten Gartenzaun. Olaf Malolepski von den einst drei singenden Delfinen, ähm... von den Flippers (ich muss immer an den bei Kindern beliebten Delfin Flipper aus der TV-Serie der 1960er-Jahre denken) startet seine neue Tournee unter dem Motto "Du bist wie Champagner". Natürlich ist das einstige Trio nicht mehr unter dem Namen Flippers on Tour, Manfred Durban, der Drummer, ist ja auch leider vergangenes Jahr viel zu früh verstorben, doch Olaf und Bernd Hengst waren die Frontsinger. Olaf hat auf der Dart-Scheibe der Popova ins Schwarze getroffen. Wenn mir jemand sagt, ich sei wie Champagner, also prickelnd, spritzig, frisch, elegant, edel und wertvoll, ja schlicht ein goldener Genuss, dann hat er mich schon gewonnen. Nein, ich bin nicht eitel, aber etwas charmante Ansprache darf schon sein.
Ein großartiger Tournee-Titel. Ich möchte mich gerne im Konzert so umschmeicheln lassen. Da müssen geradezu Busse kommen und Hallen überfüllt sein. Tolles Marketing!
Ich schaue in den Kofferraum meines alten Trabant mit seinem Markenzeichen "Plaste" und "Elaste". Ich sehe, was ich für Geier, Understood und Co. besorgt habe. Einen 6er-Karton Sekt der Marke eines jungen Mädchens, das süße Trauben liebt. Also ein Sonderangebots-Sekt, süß und günstig, ähm... billig. Mist, welche Botschaft sende ich damit an meine werten Mitschwestern aus? Ihr seid wie klebrige Süße, ihr seid saufschwanger und merkt gar nicht, was euch da serviert wird, ihr habt kein Niveau? Nein, das geht ja gar nicht, nicht wahr Herr Malolepski?
Auch die Popova möchte volle Hallen, Busse mit Fans und Wertschätzung verteilen. Schließlich werde ich laut Marketing am Fastnachtssamstag mit meinen Mitschwestern in Konstanz auf Tournee sein und sei es nur Kneipen-, nicht Bühnentournee.
Ich muss da wieder rein in den Supermarkt, die Kassiererin oder gar die Marktleitung bezirzen, damit ich umtauschen darf. Gedacht, getan, also mit Sektkarton zur Kassiererin, die aber so viel Kundschaft hat, dass sie mir gerade noch die Marktleitung ausrufen kann. Ich warte also. Die Marktleitung kommt.
Ich erkläre, dass ich diesen Sektkarton upgraden möchte und blicke in ein verstörtes Gesicht. Ich ergänze, ich möchte Champagner anstelle des Sekts und zahle auch gerne auf. Die Frage nach einem Kassenbon muss ich verneinen, ich habe diesen im großen Papierkorb vor dem Markt voreilig und unbedacht entsorgt und wühle nun bestimmt nicht alle Zettel durch. Die Marktleitung entgegnet, dann müsse ich den Sekt wohl behalten. Ich sage noch etwas von "alle seien doch wie Champagner", doch die Marktleitung bleibt hart und verständnislos im Glauben, eine Irre im Iltis-Pelz stehe vor ihr.
Hm, was tun?
Gut, den günstig, preiswerten Sekt, den trinke eben ich allein, obwohl doch auch ich laut Flippers-Olaf wie Champagner bin. Ich gehe nochmal in den Markt, kaufe für horrende Beträge einen Karton Champagner, trage diesen zu meinem Trabant und tuckere nach Hause. Sie sollen sich alle bei mir fühlen, als seien sie wie Champagner. Ein gutes Gefühl, mal abgesehen vom finanziellen Gewissen.
Und kommt mir eine meiner Mitschwestern, das teure Prickelwasser sei sauer oder zu trocken, dann setzt es etwas. Ich habe ein Vermögen dafür gelöhnt. Dann heißt es von mir nicht mehr, sie seien wie Champagner, sondern undankbar, geringschätzend und schlicht unmöglich. Ich warte es ab. Aber das möge sich keine getrauen. Sonst bekommen sie wieder den billigen Sekt und ich trinke mich mit dem Champagner in wohlige Stimmung der Wertschätzung und sei es nur diejenige von Olaf und mir selbst!



Euer strahlender Stern mit einem Ho Narro, Narri Narro und Helau
Olga Popova


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