Kolumne
... Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



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*** K O L U M N E  April 2017 ***



Verschiedene Sicht auf manche Dinge...



Olga Popova

ich war in den vergangenen Tagen mit meinen Mitschwestern gemeinsam in der Altstadt shoppen. Grund hierfür war nicht, dass Wally Geier ihrer Perücke eine neue Frisur gönnen wollte, Bang Bang LaDesh ein neuer Besen zu besorgen gwesen wäre oder Miss Understood ein neues Bühnenkleid benötigt hätte, nein, der Grund war ein ganz anderer.
Wir wollten einmal modern, up-to-date sein und begaben uns in die Stadt, um Lebensmittelgeschäfte aufzusuchen. Die Kühlschränke von uns allen sind eigentlich gut bestückt und gefüllt. Ich wollte aber den Damen einmal ein fleischloses Menü zaubern. Ich hatte davon gelesen und mir gedacht, weshalb mal nicht ohne Steak oder Wurst. Da meine Mitschwestern Zeit hatten, lud ich sie schon zum Einkauf ein, um meine schwere Einkaufstaschen zu schleppen. Ich trage an meinem Iltis-Pelz und der Handtasche mit Kroko-Leder-Applikation schon reichlich genug. Da kann man helfende Hände gut gebrauchen.
Der erste Weg führte uns vorbei am ersten Fleischerfachgeschäft der Stadt. Schon der Blick durch das Schaufenster ließ uns beinahe schwach werden. Dry Aged Steaks vom Black Angus Rind, schwäbisch-hällisches Schweinefilet, Freiland-Hähnchen, Rehrücken und Schnitzel vom Kalb... Fleisch laut Aushang der Metzgerei von glücklichen Tieren aus artgerechter Haltung. Ich kaufe dort wie meine Mitschwestern bevorzugt ein.
Doch wir wollten ja dem Hype folgen und nur dieses Mal nichts Tierisches verspeisen. Der benachbarte Käseladen barg weitere Versuchungen, denn nichts ist für mich, die Popova, leckerer als ein Käse-Finish im Menü und die dort zugleich angebotenen frischen Eier sowie Milchprodukte. Nicht nachgeben, wir gingen vorbei, um danach am Fischfachgeschäft zu staunen, dass dort frische Austern, Wolfsbarsch, Seeteufel und Felchen zum Verkauf standen. Mein Pelz wehte im Wind, als ich mich auf den Stöckelschuhen rasch abwendend drehte und meine Begleitung aufrief, nicht schwach zu werden. Voran die Damen, es warten neue Verlockungen!
Von Geschäft zu Geschäft entsagten wir weiteren Verführungen. Man hat ja sowas gelesen von gesunder Kost, vegetarisch oder gar vegan, wobei wir wahrlich keine Ernährungsfachfrauen sind. Na ja, Wally Geier noch am ehesten, ist sie doch die beste Köchin von uns allen, versteckt das Fleisch aber häufig in Teigtaschen, Maultaschen oder wie diesen Monat in Piroggen. Es sollte eben einmal etwas sein, ohne Fleisch, über die man ja bei Verkostung von Wurst und Würsten so ziemlich als letztes nachzudenken pflegt. Eine Wiener Saitenwurst sieht nun einmal nicht mehr nach tierischem Ursprung aus. Mal etwas weniger Fleisch sollte es sein.
Auch am herkömmlichen Gemüsegeschäft gingen wir vorbei, zielgerichtet auf den Bioladen und das Reformhaus zustrebend. Die Blicke der Verkäuferin auf meinen Iltis-Pelz und die Lederhandtasche sprachen Bände, nachdem wir den Laden betreten hatten. Wir wurden von oben bis unten gemustert wie verirrte Eindringlinge. Tofu als Sojaprodukt lockte uns nicht, aber wir erwarben Pilze als Steakersatz, die man auf Beratung der Fachkraft vorzüglich braten könne, Salat und viel weiteres Obst und Gemüse.
Nach Passieren der Kasse wirkte der Blick in unsere Taschen doch etwas freudlos. Die Mundwinkel meiner Mitschwestern gingen nach unten und nachdem sie sich wie Junkies am Wurstgrill gegenüber eine Grillwust besorgten, beschloss ich, dass auch ich so eine Grillwurst haben möchte. Wir beschlossen, dass sich vegetarisch oder vegan ernähren soll, wer das möchte. Wir sind tolerant und schreiben niemandem etwas vor. Aber wir beugen uns keinem Trend oder einer Philosophie.
Auf dem Rückweg führte uns der Weg zum Fischfachgeschäft für eine leckere Vorspeise, zum Käsehändler für das Finish und natürlich zum guten Metzgereibetrieb. Das Menü wurde mit jedem Einkauf verlockender. Wir beschlossen, gemeinsam alle Zutaten zuzubereiten unter fachkundiger Leitung von Wally Geier.
Und wenn wir auf Veranstaltungen veganer Ausrichtung gehen sollen oder gebucht werden, dann haben wir gottlob unsere Handtaschen, in welche immer eine knackige Wurst mit Senftütchen passt. Und wird uns der Zutritt mit Würsten einmal verwehrt, dann haben wir Bezugsquellen in der Umgebung oder gehen erst gar nicht hin, sondern vergnügen uns woanders.
Gerne probieren wir einmal etwas anderes aus. Aber freudlos soll es nicht sein und Vorschriften von uns buchenden Veranstaltern gehen schon gar nicht! Finde es unmöglich, wer möchte, andere verstehen uns wiederum!
Es gibt verschiedene Sichtweisen auf die Dinge..., warum wird oft nur eine zugelassen, vermutlich zur Abwehr der eigenen Versuchung wegen?



Euer strahlender Stern
Olga Popova


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