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Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



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*** K O L U M N E  November 2017 ***



Reformiertes Halloween...



Olga Popova

Also, ich sitze hier in meiner bescheidenen Kemenate über den Dächern der Altstadt und wundere mich nur noch. Wer kam bitte auf diese Schnapsidee, den protestantischen Reformationstag, den Tag der Verkündung der 95 theologischen Thesen Martin Luthers, mit Halloween, einem Verkleidungsfest aus USA für Dämonen, zu verbinden? Das widerstreitet sich doch in sich selbst. Den Katholiken hätte man eben solches am folgenden Feiertag Allerheiligen sicher nicht zugemutet. Ja, natürlich kam Halloween erst später nach der ausgefallenen Golfkriegs-Fastnacht als Kostümfest sehr gelegen und hatte sich etabliert. Dennoch stört "Süßes oder Saures" doch die Besinnung an einem kirchlichen Feiertag. Das mag so manchem recht gleichgültig sein, weil schon längst den Kirchen den Rücken gekehrt, doch gab es Zeiten, als protestantische Bauern gerade in Schwaben an Allerheiligen ihren Acker bestellten und umgekehrt katholische Bauern dasselbe am Reformationsfest vornahmen.
Also man mag sich das mal vor Augen halten: Morgens in der Kirche Gottesdienst zum Reformationstag und abends Dämonenfest mit Gruselpotential und am Folgetag trauerndes Gedenken, auch wenn die evangelische Fraktion hierzu ihren eigenen späteren Feiertag hat.
Müssen wir denn alles aus USA importieren, jeden Sinn und/oder Unsinn? Dem Handel ist das Halloween-Geschäft natürlich willkommen, mit Reformationstagen lässt sich selbst im Jubiläumsjahr kein Profit erzielen, wenngleich in der Lutherstadt Wittenberg offenbar jeder Einkaufswagenchip inzwischen "luthert". Genügt uns als Brauchtumsfest nicht die eigene Fastnacht, Fasching oder norddeutsch Karneval?
Da wächst eine junge Generation mit Dämonenfest heran. Wo sind die besorgten Mütter, die ihren Kindern heimisches Brauchtum vermitteln wollen? Halloween gehört inzwischen wohl dazu, obwohl keine 20 Jahre alt in Europa, das Reformationsfest ist 500 Jahre alt, wenn man so will.
Nun denn, würde die Popova alles aus USA importieren, weil gefällig, dann sänge ich keine Schlagerkultur, sondern würde Liza Minelli oder Frank Sinatra imitieren. Ich bin aber keine Künstlerin der Imitation, sondern eben die Popova. Oder muss nun auch Wally Geier ins Yodeling abdriften, Miss Understood entgegen ihres künstlerischen Anspruchs US-Pop singen oder Frau Hausmeisterin Bang Bang LaDesh nur noch innovative US-Reinigungsprodukte im Treppenhaus verwenden?
Nicht alles aus USA passt auch zu uns oder hierher. Deshalb singe ich weiter alten deutschsprachigen Schlager, das ist mein Metier und Markenzeichen. Deshalb mache ich auch bei diesem Dämonenfest nicht mit, mag es den Kindern auch Spass bereiten und damit von Generation zu Generation künftig weitergegeben werden. Vergesst den Reformationstag nicht ganz. Mütter, erklärt den Kindern, dass es mehr als Halloween am 31. Oktober gibt. Sonst sind auch bald Advent und Weihnachten oder andere traditionelle Feiertage bald umgedeutet.
Die Popova bleibt standhaft, singt ihre Linie weiter und gibt dem Druck des Zeitgeistes nicht nach. Versprochen!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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