Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  April 2020 ***



In diesen Zeiten...



Olga Popova

In diesen Zeiten weiss auch Frau Popova nicht viel zu sagen. Meine Mitschwestern und ich isolieren sich, so gut es geht, benutzen die vorhandenen Hausapothekenbestände an viruzidem Handdesinfektionsmittel, waschen oft die Hände, fassen uns nicht selbst ins Gesicht, auch wenn es mal juckt und zwickt, halten Abstand zu Mitmenschen, beachten die Husten- und Niesetikette und suchen wie so viele vergeblich Bezugsquellen für Mundschutzmasken sowie Fieberthermometer. Klar ist, der klinische und ärztliche Bereich muss beim Bezug vorgehen, dort wird Schutz noch dringender benötigt.
Schuld an diesem Zustand ist ein unsichtbarer Virus - Corona, mit noch nicht entschlüsselten Verlaufsformen. Ein weltweiter Flächenbrand. Hoffnung machen die Impfstoffentwicklung und ein in Entwicklung befindlicher Schnelltest oder auch der Papst mit dem Segen Urbi et Orbi, zumal auch Gottesdienste nur noch gestreamt werden dürfen.
Ansonsten ist man shon froh, an die frische Luft gehen zu können. Shopping ist weitestgehend unmöglich, beliefern lassen kann man sich von Händlern oder Gastronomen, aber wir nehmen bevorzugt Einzelhändler und Gaststätten vor Ort, die von Schließungen wirtschaftlich sehr betroffen sind, um diese zu unterstützen.
Aber es gibt nicht alles. Toilettenpapier ist rar und Frischhefe, die auch nur rationiert abgegeben wird. Es gäbe noch einige Beispiele. Die Hamsterungen ebben zwar ab, aber wir beobachten vermehrt Schnellmeldungen von Kunden an Bekannte über Mobilfunk, dass XY wieder Klopapier habe und dann wird sich beeilt, um sich zu versorgen. Das hat schon etwas von Kaufhalle in der alten DDR, als man sich informierte, wenn es dort gerade mal wieder Spreewaldgurken gab und dann hiess es Schlange stehen. Schlange stehen wie jetzt vor den meisten von Security bewachten Supermärkten. Man braucht Zeit und Geduld, um Lebensmittel einzukaufen. Aber Vorräte hat man ja jetzt aufgebaut. Man muss nur darauf achten, dass die Lebensmittel nicht irgendwann im Regal verderben.
Dann fällt auf, dass sich Politiker wie sonst nie häufig über die Medien an die Bevölkerung wenden. Es hat immer etwas Besorgniserregendes. Wann sprach schon mal ein Bundespräsident im Rundfunk, mal abgesehen von der Weihnachtsansprache. Der Rundfunk selbst und auch das Fernsehen versuchen zu unterhalten, Opernhaus-Inszenierungen und Konzerte kommen empfangbar in die Wohnzimmer. Kurzweil statt Langeweile. Events gibt es derzeit nicht. Mittel gegen Lagerkoller zuhause. Der medizinische Betrieb, Beschäftigte in der Lebensmittelversorgung und andere systemrelevante Berufsgruppen leisten, was sie können. Es gibt viel Solidarität - Spirituosenhersteller stellen Alkoholbestände etwa zur Herstellung von Desinfektionsmitteln zur Verfügung.
Aber bei alledem, seit die Frisöre geschlossen haben, was auch richtig ist im Moment, wachsen die Haare der Republik. Entweder führt es zu einem Volk von Langhaarigen oder Verunstalteten, weil der häusliche Langhaarschneider mit unruhiger Hand Einsatz findet. Die Frisöre werden bei Wiedereröffnung allerhand Korrekturbedarf haben. Es wird ein Terminansturm sein.
Irgendwann ist die Krise vorüber, haltet durch, bleibt gesund und wir werden diesen fiesen Virus besiegen!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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