Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

gayPARSHIP.com - Finde die Liebe Deines Lebens  

*** K O L U M N E  August 2017 ***



Mein Publikum...



Olga Popova

also, meine Lieben, das war ja ein Stelldichein der regionalen Szene. Ich meine den CSD am See 2017. Ich, die einzige Popova mit Wally Geier und Miss Understood im Cabrio inmitten der CSD-Parade... na ja, am Ende der CSD-Parade, also krönender Abschluss. Natürlich mitunter auch unter Klängen, wie wir sie alle aus Rosarot kennen und mit Logo von Gaybodensee. Ich genoss die Ovationen des Publikums, während Wally Geier am Muskelkater in der Gesäßbacke arbeitete, weil der Hintersitz doch so hart gewesen sei. Das konnte in diesem CSD-Jahr Frau Huber nicht passieren. Erstmals schritt sie mit Susi Tran in der Paradedemonstration fußläufig mit, während sich Clarissa für die Mitfahrt auf dem CSD-Leitwagen entschied. Ja, Absätze schonen und dadurch Geld sparen. Nur nicht anstrengen und zudem nicht Gefahr laufen, im Kopfsteinpflaster ernsthafte Probleme mit den Pumps zu bekommen. Ach, ich sage Euch, nach unzähligen Rosarot kenne ich das Problem. Ich bin schlussendlich schon einmal barfuss in Strümpfen über dieses unsägliche transenfeindliche Kopfsteinpflaster durch Schnee gewandert, weil es gar nicht mehr ging. Zurück zum CSD. Ein buntes Fest, eine Party mit Begegnungen, eine unvergessliche Parade für und mit meinem und unserem Publikum. Wehrmutstropfen?
Egal wohin ich kam, gab es nur ein Thema. Mich hat es zuweilen genervt. Statt dem unseren Paradeauftritt wurde ein veganer CSD diskutiert. Da erzählte man von No-Go, von Steaks und Würsten aus Rosis Pavillon direkt am CSD-Gelände, von Schnitzelgerichten in der Innenstadt, von Nichtteilnahme wegen Ablehnung einer Zwangsumerziehungsbotschaft und und und..., hey, wir waren in der Parade dabei, ist das kein Thema?
Nein, offensichtlich nicht. Der Magen bestimmt die Einstellung zur Veranstaltung. Und Unzählige haben nicht vegan konsumiert, worunter das CSD-Fest im Stadtgarten auch gelitten haben mag. Unverständnis vielerseits... Ausweichen auf Angebote außerhalb des CSD-Geländes vielfach. Ja, es war nicht kommuniziert, ja, Zwangsumerziehung darf es schlicht nicht geben, wobei ich als usbekische Kartoffel-Kolchosen-Bäuerin ohnehin Fleisch nur von Weitem kenne, doch da rumorten nicht nur Mägen, sondern auch Gäste, Verstand und Offenheit für solche Überraschungseffekte.
Leider nur Grün für CSD-Parade, für CSD-Party, aber zumindest Gelb für das CSD-Stadtgartenfest. Ich bin nur deshalb erbost, weil diese Diskussionen unseren Auftritt überschatteten. Ich würde behaupten wollen, auch Frau Hubers Auftritt wurde nur von einem veganen Publikum wahrgenommen. Ich, Frau Popova, stehe aber wie meine Mitschwestern für alle und deshalb zogen wir uns zurück. Keine Ausgrenzung, auch nicht hinsichtlich der Nahrungsaufnahme und das sollte künftig beherzigt werden. Szenespiegel am Stadtgartenfest? Nein, etliche waren ausgegrenzt, sogar der Kuchenstand des Belladonna, der Eisstand der Gayfarmer. Hm, CSD-Botschaft verfehlt? Man kann hierüber durchaus diskutieren.
Ausgrenzung bei einer Veranstaltung gegen Ausgenzung? Ein Widerspruch?
Mag ein jeder sich seine Meinung bilden und nach seiner Meinung handeln.
Ich, die Popova, trage meinen Iltis-Pelz im Winter und esse Steak. Ich stehe dazu und meine Mitschwestern entsprechend auch. Ich möchte mir nicht nachsagen lassen, selbst vegan ideologisiert zu sein. Meine Mitschwestern auch nicht. Wir haben auswärts gegessen und uns gefragt, weshalb dieses Thema sein musste. Hätte man doch lieber mit uns in der CSD-Parade gefeiert. Einige taten es, aber eben nur während der Parade. Danach waren viele weg, bis zur Party am Abend. Es war schön, es war ein großer Auftritt, aber wir waren weder vegan, noch der Ideologie unterwürfig. Zusammen feiern sieht anders aus, nicht Verdrängung außerhalb des CSD-Fests, sondern Integration. Das haben die Macher nicht verstanden. Es sollte gelten, was aus ihrer Sicht gelten musste. Sei's drum. Sie können offenbar nicht anders. Wir können dann auch nicht anders, als entweder keine Stände anzubieten oder auswärts Mahlzeiten einzunehmen. Und da wird statt Gemeinsamkeit ein Spaltungsfaktor gesetzt.
Sei's drum, Fundamentalismus ist fehl am Platz. Dafür stehen Popova, Geier und Understood und unzählige andere. Wir wollen hoffen, dass diese Ausgrenzung 2019 ein Ende hat! Fleischkonsum ist not a crime! Der Mensch ist von Natur aus kein veganes Wesen! Schweres Thema, ich weiß. Doch lustig war's auch nicht, außer unserem Auftritt und nächstes Mal werfen wir Würste, Steaks und Braten anstelle von Kamelle!


Euer strahlender Stern
Olga Popova


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