Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



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*** K O L U M N E  Dezember 2020 ***



Weihnachten 2020...



Olga Popova

ja, es wird schwer, im Advent eine Weihnachtsfeier abzuhalten. Ja, es wird schwer, Weihnachten wie gewohnt zu feiern. Ja, es wird schwer, es zu Silvester richtig krachen zu lassen. Gastronomie geschlossen, Kontaktbeschränkungen, auch wenn in Deutschland zum Fest der Feste geringfügig gelockert. Weihnachtsmärkte sind bereits vom Tisch. Hinweggefegt wird das sehr infektionsträchtige Feuerwerk auf - wie es lautet - belebten Plätzen zu Silvester.
Ich wäre nicht Frau Popova, wenn ich nicht die Sinnhaftigkeit hinterfragen würde. Zu was führt das gesamte Regelwerk? Weihnachtsfeiern verschoben in den uneinsehbaren privaten Bereich oder kommt dann die Razzia, weil ein aufmerksamer Nachbar denunziert? Wer zählt die Personen unter Deutschlands Weihnachtsbäumen unter Abzug von minderjährigen Personen, wiederum die Razzia nach Alarmierung des aufmerksam zählenden Nachbardenunzianten? Wenn Feuerwerk nicht auf weitläufgen belebten Plätzen mit locker einzuhaltenden Mindestabständen, dann dicht gedrängt im Hinterhof, der sonst eher verwaist ist? Die Sinnhaftigkeit aktueller Regelungen darf man sicher hinterfragen. Doch lieber eine ins Nebenzimmer der Gastronomie eingebuchte Weihnachtsfeier unter Hygieneregeln, als eine unkontrollierte und unkontrollierbare Feier im Haus des Firmenchefs! Es sei denn, alte deutsche Untugenden à la Blockwart sollen mit eingespannt werden?
Das klingt nicht nach Vernunftsappell an die Bevölkerung, sondern nach Aufruf zur gegenseitigen Überwachung, neudeutsch Sozialkontrolle genannt. Es glaubt doch niemand unter uns Mitschwestern, dass die Polizei ihre Augen überall haben kann oder Privatwohnungen stürmt und vor dem Auspacken der reizend verpackten Geschenke eine Ausweiskontrolle durchführt sowie das Singen von Weihnachtsliedern wegen der Aerosole gegenüber der versammelten und aufgehübschten Festgesellschaft verbietet, solange nicht ausreichend gelüftet und dadurch die Zimmertemperatur trotz Heizung so abgesenkt wird, dass alle Familienmitglieder es nur noch unter Winterfelljacke aushalten können, ohne sich sofort zu erkälten, was andernfalls potentiell wieder zu Corona-Symptomen führt. Die Testung per Nasen-Rachen-Abstrich folgt dann noch vor Silvester und dann steht Quarantäne an - nichts mit Silvester, sondern abwartend auf Symptomatik alleine den Piccolo auf dem Tisch saufen.
Frau Popova ist auch gespannt darauf, ob die entfernte Verwandte, die vermutlich verordnungswidrig mit unter dem Weihnachtsbaum sitzt, von der Polizei als der Staatsgewalt schreiend unter Handschließe aus der Wohnung gezerrt werden wird, ohne ihr Geschenk ausgepackt zu haben. Nun, dann heißt es, das Päckchen in die Verwahrungszelle nachzusenden, wo es sicherlich zunächst durchleuchtet wird, damit sich keine Metallfeile zum Ausbruch darin befindet.
Es wird sicherlich aufregend, was passieren wird.
Meine Mitschwestern und ich verzichten auf eine gemeinsame Weihnachtsfeier - wegen der hypersensibilisierten Nachbarn, aber auch wegen der geschilderten Szenarien. Nein, die Regeln sind wenig sinnhaft oder nur dann, wenn man diese als beachteten Appell an alle versteht.
Ich kann nur sagen, das Virus macht keine Weihnachtspause. Im Januar 2021 kann uns die Realität überrollen und die Konsequenzen ungehinderter Feierlichkeit ungeschönt aufzeigen. Es geht doch schlicht nur um Mitverantwortung und allgemein um verantwortliches Handeln, nicht mehr und nicht weniger, um unser aller willen!
Kommt gut in das Jahr des Pandemie-Endes kraft Impfstoffen, sei es in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Liechtenstein! Ich bin optimistisch!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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