Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  März 2019 ***



Jubiläum...



Olga Popova

es sind nun 15 Jahre, dass ich mein treues Publikum, meine Fangemeinde hier im Bodenseeraum, in Konstanz mit meiner Kunst beglücke. Es ist auch 15 Jahre her, als ich als Frau des Ostens im Südwesten mit Marilyn Monroes "Que sera" in ureigener Textvariante die Showbühne des damaligen Restaurants Schmitt's zu erobern suchte. Ein kleines Jubiläum, nur leider ohne Rückkehr auf die Bühne der Anfänge. Das Restaurant Schmitt's als gute Stube ist nicht mehr und leider bislang auch die Rosa Fastnacht Rosarot im Dämmerschlaf.
Die Folgejahre hatte ich mir zum Ziel gesetzt, alte Schlagersternchen auf der Bühne gesanglich wieder zur Ehre zu verhelfen. Hierzu zählte etwa Kirstie Sparboe, die ESC-Dame aus Skandinavien, die es bei drei Teilnahmen am Eurovision Song Contest, der einst noch als Grand Prix D'Eurovision betitelt war, drei Male den letzten Platz errang. Solchen fast vergessenen Stars und Sternchen galt mein Herzblut. Mit Sparboes "Ein Student aus Uppsala" habe ich sie rehabilitiert, da zuletzt in der CSD-Parade Konstanz-Kreuzlingen 2017 von meinen Mitschwestern Wally Geier und Miss Understood sowie meiner bescheidenen Wenigkeit genau dieser Titel unter spontaner Mitmach-Begeisterung der Teilnehmer erneut intoniert wurde.
Aber auch Dunja Reiters Titel "Ich überleb's" zählte zum Repertoire und repräsentierte das anspruchsvolle Genre. Es wurde vom Moderator bei Rosarot damals sogar zum Motto des Abends erkoren. Mal bot ich Bekanntes und Schmissig-Flottes wie "Ramalamadingdong", mal textlich Schlichtes wie Katja Ebsteins "Es war einmal ein Jäger", übrigens mein einziger Auftritt mit (Spielzeug-)Waffe auf der Bühne. Dann entführte ich mein Publikum auch gerne einmal in den Süden mit Imka Marinas "Viva Espagna" oder hüpfte wild zu Maggie May's "My boy Lollipop" über die Bühnenbretter wie sie selbst einst in Dieter Thomas Hecks ZDF-Hitparade in den 1970ern.
Ich konnte das Publikum auch schon ratlos zurücklassen, indem ich mit "Agadou" der Saragossa Band statt erhoffter Begeisterung verständnislose Blicke erntete. Das war in etwa das Feedback: "Was war das da im Iltis-Pelz auf der Bühne, das da agadou'te?". Zurückblickend ein schlimmer Auftritt, der mich belehrte, mich nicht simpel anbiedern zu sollen. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Anders dagegen bei Adriano Celentano und "Azzurro", da sang einst der ganze Saal mit. Auch France Gall mit bananengeschwängerten Hüften zu "Zwei Apfelsinen im Haar" blieb in Erinnerung.
Ach ja, die Popova hebt sich schon von ihren Mitschwestern ab. Das volkstümliche Genre deckt Wally Geier ab und sucht auch schon mal den Showeffekt, bis zum Anschließen ihres mit Lichterkette unterfütterten Paillettenkleides an die Steckdose. Ein Duett kam bisher nicht zustande, dagegen aber mit Miss Understood zu ihrem größten Titel "Don't go breaking my heart" von Elton John und Kiki Dee. Ich war selbstredend in der Rolle von Kiki Dee. Leider versagte damals etwas die Tontechnik und wir hörten uns gegenseitig nicht. Ich würde sagen, es war eine künstlerische Verfremdung.
Andere, die mir in meiner Karriere begegneten, waren etwa Helga Handschelle, Tina Creme, Ricola Fötzli, Mireille Mondieu, Hausmeisterin Bang Bang LaDesh, Ramona Rexona, Henriette, Daphne D'Albra, Inga von Schrupp, Frau Huber, Susi Tran, Lotusblüte und auch die erste Supertranse Wilma Bummsen. Alles unvergessene Stars und Sternchen.
Bevor ich aber am Fastnachtssamstag mein Jubiläum in meiner bescheidenen Kemenate mit einer einsamen Flasche Sekt begieße, begebe ich mich mit meinen Mitschwestern in die närrischen Gassen der Konstanzer Altstadt, nah an meinen Fans.
Und dann wollen wir ganz allmählich in Richtung Ostern blicken.

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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