Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  Juni 2020 ***



Sommer 2020...



Olga Popova

ja, der Sommer 2020..., in meinem betagten Transistorradio schepperte vorhin der Klang von "Summer of'69" von den Chords. Da musste ich unweigerlich an den Sommer 2020 denken. Können wir reisen? Die Politik sagt ja zu Reisen in Europa. Aber wie sieht das aus? In Italien an Adria und Riviera hinter Spuckschutz-Plexiglasscheiben am Bagna, dem Strand mit Liegestühlen und Sonnenschirm, in Spanien mit Zutrittskontrollen und Mindestabstand, an Nord- und Ostsee nur geringfügig anders... Die heimisch vertrauten Regeln werden uns auch in den Urlaub begleiten. Dabei war Urlaub immer auch eine Art des Ausbrechens aus dem Alltag. Wo verbleiben die Nischen, das Neuerlebbare? Es wird nicht ungehemmt sein, dieses eklige Virus wird uns sogar in den Urlaub begleiten. Unbeschwert gibt es nicht, da kann man gegen Einschränkungen noch und nöcher demonstrieren. Es ist einfach weiter da. Die Nischen, die bleiben, werden die fremdländischen kulinarischen Genüsse und die Landschaft, gleich ob Meeresstrand oder Gebirge sein. Im Museum mit Mund-Nasen-Schutz, in der Gastronomie mit strengen Regeln. Ich werde mich daran nie gewöhnen (wollen). Ich glaube weiterhin an die normale Welt vor Corona und dass sie zurückkehrt. Jetzt momentan, ja, da muss man Acht geben auf sich und den Nächsten, aber Dauerzustand? Nein, das wäre unerträglich.
Bei jedem Treffen mit Freunden hat man ein schlechtes Gewissen, selbst wenn es legal ist. Man hat den Drang, sich einem Antikörper-Test zu unterziehen, um zu wissen, ob man schon zur durchseuchten und damit immunen Gesellschaft gehört. Ist das nicht schrecklich? Dieses kleine unsichtbare fettbehüllte Teilchen bestimmt weltweit das Leben. Wo ist unsere Unbeschwertheit hin? Man könnte depressiv werden. Ständig 39 Sekunden Hände waschen oder desinfizieren ist ja Regel geworden. Mehr Hygiene war noch nie und dennoch ist dieses fiese Ding ohne Impfstoff nicht auszurotten.
Ich merke auch im Kontakt zu meinen Mitschwestern, dass ich langsam müde werde angesichts all dieser Regeln. Das kann nicht ewig so weiter gehen. Wer misst denn ständig Mindestabstände mit Zollstock? Es gibt doch auch so etwas wie allgemeines Lebensrisiko, mehren sich die Stimmen. Es ist eine verrückte Welt im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Politik setzt Rettungsschirme auf, die bislang niemand zu bezahlen weiss. Steuererhöhungen lehnt die Bundeskanzlerin ab, klar 2021 sind Bundestagswahlen. Dabei reichen viele Rettungspakete gar nicht aus. Manche Trumps empfehlen ihren Bürgern, Desinfektionsmittel zu spritzen - wieviel Impertinenz und Ignoranz oder Dummheit braucht es dazu? Die Todeszahlen um jeden Preis erhöhen? Nun, der US-Präsident schluckt nach eigener Angabe das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin. Ok, vielleicht braucht es dann zur US-Präsidentenwahl schon einen neuen Trump. Wobei, den braucht es eigentlich gar nicht.
In guter Gesellschaft steht Boris Johnson, der nun seinen harten Brexit verfolgt, weil Corona angeblich jede Einigung mit der EU verhinderte. Da kommt auch nach Corona noch das dicke Ende nach.
Diese Populisten überall, die haben den Schuss nicht gehört. Hat uns die Pandemie nicht eines gelehrt, nämlich dass Staatsgrenzen nichts bedeuten? Wir sind Weltbürger und nur gemeinsam wehren wir Weltgefahren ab - mag es auch für den Weltklimaschutz gelten und da braucht es bald keine Greta Thunberg mehr. Sie wurde meines Erachtens obsolet, weil wer es jetzt nicht begriffen hat, begreift es ohnehin nie!
Nun, zurück zur Frau Popova. Ich bügle hier desinfizierend meinen Mundschutz und denke jedes Mal, mag das bald zu Ende sein. Denn mein Make-up soll ja bald wieder sehen können. Ohne das, bekommé ich keine Ovations und folglich keine Buchungen. Künstler wie ich sind auf ihr Publikum angewiesen und da hilft auch keine staatliche Unterstützungszahlung. Wir Künstler wollen wieder ran, einstweilen mit Hygienestandards, irgendwann wieder unbeschränkt! Mit Nena gesprochen: Irgendwie, irgendwo, irgendwann...

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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