Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  Dezember 2019 ***



Jahresende...



Olga Popova

ein bewegtes Jahr neigt sich seinem Ende zu, um sodann an Silvester im Lichtertaumel der Feuerwerke in das neue Jahr 2020 nahtlos überzugehen. Zuvor locken die Advents- und Weihnachtsmärkte, beginnen die Festvorbereitungen für Weihnachten und Nikolaus, im lesbischen Belladonna-Deutsch Nikolina, füllt wieder Stiefel mit Leckereien. Nikolina? Als hätten wir nicht schon genug Verwirrung mit St.Nikolaus und dem US-Import des Santa Claus, des Weihnachtsmanns. Der Weihnachtsmann aus der neuen Welt ist kein Bischof mit Mitra mehr, er ist ein Christkindersatz, der irgendwo im Norden mit Kobolden eine Geschenkmaschinerie unterhält und zuweilen in Kaufhäusern sitzt, um die Geschenkwünsche von Kindern entgegen zu nehmen. An Weihnachten kommt er im anglo-amerikanischen Raum auch nicht an Heiligabend, sondern in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag durch den Hauskamin, wohin ihn die guten Rentiere im Schlitten trugen. Er ist säkularisiert, wie die Fachleute sagen, dem christlichen Ursprung entrückt. Viele wissen vom guten alten Nikolaus kaum mehr etwas, die Grenzen verschwimmen im roten Mantel mit Rauschbart.
Ich habe mir gedacht, ich überrasche meine Mitschwestern als Nikolina. Beim Kaufhaus um die Ecke erstand ich das Gewand, leider auch nur der rote Mantel des Weihnachtsmanns, eine rote Zipfelmütze und einen weissen Rauschbart zum Ankleben, dazu einen Jute-Sack. Als ich aus der Ankleidekabine kam und mich kurz auf den Stuhl für die wartenden Kunden setzte, kam auch sofort eine Mutter mit Kind. Sie sprach, "schau her, das ist der Nikolaus", sie sagte nicht "Weihnachtsmann". Aber eigentlich war ich der Weihnachtsmann, unter der Hülle eine Art Weihnächtsmännin, Weihnachtsfrau oder wie das Pendant zur Nikolina auch heissen mag. Sie forderte das Kind sofort auf, mir seine Wünsche mitzuteilen, damit sie in Erfüllung gingen. Das Kind war im Grundschulalter, ich spielte mit. Mit tiefer Stimme fragte ich das Kind, ob es artig gewesen sei. Mir schlug ein "Hey, Alda" entgegen. DAnach sprudelte es nur so von kostspieligen Elektroartikeln, Spielkonsolen und Handyfabrikaten. Ich war geplättet, verabschiedete aber das Kind mit Mutter freundlich. Schien für die Mutter normal gewesen zu sein, sie tadelte das Kind nicht. Anspruchsdenken ist wohl normal geworden. Danach zog ich mich rasch um und entschwand mit meinem Kauf im Jute-Sack nach Hause - klar, nicht in der Plastiktüte, Frau Popova gibt sich political correct.
Als ich mit meinen Mitschwestern dann am Nikolaustag zum Kaffee bei Frau Hausmeisterin Bang Bang LaDesh verabredet war, ging der Überraschungscoup los. Rein ins Kostüm und ein paar Pfeffernüsse in den Sack zum Verteilen.
Ich habe mir vor dem Start aber noch ein Fläschchen Sekt gegönnt, um lockerer zu werden. Das war ein Fehler. Der Bart hing schief im Gesicht, unter der Zipfelmütze quoll mein Naturhaar hervor und unter dem Mantel sah man meinen Iltispelz, weil diese Kostüme sind ja billig dünn genäht und es ist winterlich kalt draussen.
Nach dem Klingeln öffnete sodann Bang Bang LaDesh die Wohnungstüre, dahinter die soeben angekommenen Wally Geier und Miss Understood. Ich lallte etwas von, "draus vom Walde komm ich nicht her, dafür schwanke ich jetzt mehr...". Bang Bang LaDesh enttarnte mich sofort mit "Olga, komm rein, es ist kalt an der Haustüre und zieh' das alberne Kostüm aus". Auf die Frage, was mich verraten habe, entgegnete sie nur, mein sektschwangerer Zustand! Ging mal so richtig daneben.
Wir aßen die Pfeffernüsse, Wallys mitgebrachte Plätzchen und tranken Kaffee.
Ich beschloss, ausser an der Fastnacht keine Kostümierung mehr zu überzustülpen. Popova in Natur, im Iltispelz mit dicker Hornbrille zu bleiben. Ein guter Vorsatz für das neue Jahr. I am, what I am...
Allen an dieser Stelle frohe Festtage, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr mit Gesundheit, Frieden, weniger Trumperei und weniger chaotischer Bewegtheit wie in 2019, mit geordnetem oder ohne Brexit und besonnener Klimapolitik oder was Euch sonst global wie privat wichtig erscheint!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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